Ein Musikverein mit langer Tradition
Am 31. März 1833 wurde die Stadtmusik
gegründet. 30 Aktivmitglieder
unterschrieben die Statuten. Aber wie
auch ein Kind nicht erst mit der Geburt
entsteht, bedurfte es einer Vorlaufzeit,
bis die Stadtmusik entstanden war. Den
Anfang bildete ein Trompeterquartett,
aus dem eine Harmoniemusik entstand.
Diese Formation gab im November 1832 ein
erstes Konzert, das so erfolgreich war,
dass man daran ging, einen Verein zu
gründen. Zunächst probte und
konzertierte man ohne Dirigenten. Erst
1844 konnte bewirkt werden, dass ein
Musiklehrer von der Stadt angestellt
wurde, der auch die Leitung der
Harmoniemusik übernahm. Doch diese
Lösung war für die Harmoniemusik nicht
sehr zufriedenstellend, da der
städtische Musiklehrer auch für alle
anderen musikalischen Aktivitäten
verantwortlich war und kaum Zeit für die
Stadtmusik hatte. Mit der Verpflichtung
eines eigenen Dirigenten konnte sich die
Harmoniemusik schliesslich weiter
entwickeln. In der Mitte der 60er Jahre
des vorletzten Jahrhunderts erlebte die
Harmoniemusik eine Blütezeit, mit
unglaublichen zehn bis zwölf
öffentlichen Produktionen pro Winter. 1867 und 1868 fanden
in Rheinfelden Musiktreffen mit Vereinen
aus der Region statt, die ein grosser
Erfolg waren. 1873 schliesslich wurde
die Harmoniemusik in Stadtmusik
umgetauft und erhielt von der Stadt eine
Unterstützung von 200 Franken jährlich.
1883 wurde das 50-jährige Jubiläum mit
einem Musiktag gefeiert, an dem die
ganze Stadt, sowie Vereine aus der
Schweiz, Deutschland und Frankreich
teilnahmen. Doch auf ein Hoch folgt oft
ein Tief und wegen politischer
Streitereien löste sich die Stadtmusik
im 64. Vereinsjahr auf. Zum Glück konnte
sie aber schon wenige Monate danach
wieder ins Leben zurückgerufen werden.
Zum 75-jährigen
Jubiläum fand in Rheinfelden das erste
offizielle Fricktalische Musikfest statt
und läutete eine erneute Blütezeit für
den Verein ein. Diese wurde durch den
Kriegsausbruch 1914 beendet, als viele
Mitglieder in den Militärdienst gerufen
wurden. Nach dem Krieg entwickelte sich
die Stadtmusik unter der Leitung von
Josef Enzler, der das Amt bis 1945
innehatte, weiter. Die Stadtmusik
erreichte am Eidgenössischen Musikfest
in Bern 1931 sogar den 1. Rang. 1933
wurde das 100-jährige Bestehen der
Stadtmusik mit einem Kantonalen
Musikfest in Rheinfelden gefeiert, an
dem 50 Gastvereine teilnahmen. Der 2.
Weltkrieg riss erneut Lücken in den
Verein. Nicht nur mussten zahlreiche
Mitglieder in den Militärdienst
einrücken, aber auch die badischen
Mitglieder konnten an den Proben nicht
mehr teilnehmen, was allgemein sehr
bedauert wurde. Nach dem Rücktritt Josef
Enzlers dauerte es 3 Jahre, bis mit
Bernhard Köppel ein neuer Dirigent
gefunden war. Das grosse Ziel dieser
Zeit war, die aus dem Jahre 1921
stammende, erste Uniform, zu erneuern.
Die neue Uniform konnte 1952 mit einem
Fest eingeweiht werden.
1958 stand dann bereits das nächste Jubiläum vor der Tür: 125 Jahre. Dieses wurde mit einem Aargauischen Kantonalen Musiktag glanzvoll und ausgiebig gefeiert. 1960 übergab der Dirigent Bernhard Köppel seinen Stab an Fritz Gloor, der schon 3 Jahre lang in der Stadtmusik Trompete gespielt hatte. Zusammen mit dem Präsidenten Otto Arnold engagierte sich Fritz Gloor sehr für die Stadtmusik. 1965 wurde eine neue Fahne in Auftrag gegeben und förmlich geweiht. Die Stadtmusik Basel stand Pate. 1966 nahm die Stadtmusik (zum ersten Mal seit 1931) am Eidgenössischen Musikfest teil, welches in Aarau stattfand. Man war mit dem Resultat – «Vorzüglich» in allen Vorträgen – sehr zufrieden. 1972 war es wiederum Zeit für eine neue Uniform. Diesmal wurden zwei angeschafft: eine einfachere blaue und eine rot-goldene Galauniform.
1974 trat Fritz Gloor aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück und mit Nino Fantozzi konnte ein ausgezeichneter Musiker, Arrangeur und Dirigent verpflichtet werden. Unter Fantozzi begann eine Zeit des Aufbaus. Es gelang, die Stadtmusik in eine Harmoniemusik mit Holzbläsern auszubauen, ein lang gehegter Wunsch. Ausserdem wurde vermehrt auf die Ausbildung des Nachwuchses wertgelegt und junge Bläserinnen und Bläser wurden aufgenommen. So konnte die Stadtmusik bald in der ersten Stärkeklasse mithalten und erzielte an Musikfesten grosse Erfolge. 1977 übernahm Stadtrat Hansruedi Schnyder das Präsidentenamt. Im Jahr darauf konnte mit der finanziellen Unterstützung der Stadt und durch grosszügige Beiträge aus dem Gewerbe und der Bevölkerung, die Stadtmusik neu instrumentiert werden. Ausserdem wurde festgestellt, dass das Durchschnittsalter unter 30 Jahren lag und die Nachwuchsförderung erste Erfolge zeigte.
1980 fand die 850-Jahr-Feier der Stadt Rheinfelden statt. Diese war mit grossem Aufwand für die Stadtmusik verbunden, mussten doch um die 150 Auftritte bewältigt werden. 1983 feierte die Stadtmusik 150 Jahre. Im Mai wurde mit den Nachbarvereinen und der Stadtmusik Zürich gefeiert und im November gab die Stadtmusik ein Galakonzert. Leider gab der Dirigent Nino Fantozzi 1984 aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt bekannt. Edgar Kamber trat seine Nachfolge an. 1986 trat Hansruedi Schnyder als Präsident zurück und mit Erwin Eichenberger, der aber wenig später von Hansjörg Gersbach abgelöst wurde, erhielt die Stadtmusik zum ersten Mal seit langem wieder einen Präsidenten, der Aktiv mitspielte. Edgar Kamber demissionierte allerdings schon nach 2 Jahren wieder von seinem Posten und die Suche nach einem Dirigenten ging wieder von vorne los. Auf die Stelle bewarb sich unter anderem Roland Recher, der kurz vorher nach Rheinfelden gezogen war. Seine Anstellung erwies sich als Glücksfall für die Stadtmusik. Roland Recher übernahm für 14 sehr erfolgreiche Jahre die Leitung des Orchesters und prägte dessen Entwicklung stark mit. Bereits 1988 rief er in Zusammenarbeit mit der Musikschule Rheinfelden/Kaiseraugst ein Jugendblasorchester ins Leben, das sich kurz darauf zu den Formationen Rondo, Rondino und Rondoletto entwickelte und das Nachwuchsproblem der Stadtmusik auf lange Zeit löste.
1995 übernahm Hans Gloor das Präsidium.
Interimistisch, wie er meinte. Er machte
seine Sache so gut, dass wir ihn erst
2001 widerwillig gehen liessen. Nach 20
Jahren begannen die Uniformen langsam
ihr Alter zu zeigen und man begann die
Mittel für eine neue Uniform zu sammeln.
1993 war es soweit und die neue Uniform
konnte festlich eingeweiht werden. Man
einigte sich auf eine blaue Uniform mit
diskreten Verzierungen. Man wollte etwas
einfaches und bequemes – ohne Hut. Und
sie hat sich bewährt, tragen wir sie
doch immer noch! Unter Roland Rechers
engagierter Leitung entwickelte sich die
Stadtmusik auch musikalisch
kontinuierlich weiter und wurde 1996
sogar Festsieger in der 2. Stärkeklasse
am Eidgenössischen Musikfest in
Interlaken. Nach so vielen Jahren, in
denen es die Stadtmusik schon gibt,
nähern wir uns jetzt der Zeit, aus der
ich aus erster Hand berichten kann, und
nicht mehr auf Protokolle und Berichte
meiner Kollegen angewiesen bin.
Wegen des tollen Ergebnisses am vorherigen Eidgenössischen und der guten Besetzung, traten wir 2001 in der ersten Stärkeklasse an, der zweithöchsten. Das Besondere war, dass die Stadtmusik beim englischen Komponisten Philip Sparke ein Stück in Auftrag gab, Rheinfelden Sketches, dieses am Jahreskonzert vor dem Fest uraufführte und mit diesem Stück als Selbstwahlstück am Eidgenössischen antrat. Es wurde ein voller Erfolg! Und obwohl die Stadtmusik neu in der ersten Klasse teilnahm, konnten einige namhafte Vereine übertrumpft werden. Mit diesem Höhepunkt verliess uns unser Dirigent, der zum Dank für seinen langjährigen Einsatz zum Ehrendirigenten ernannt wurde. Unseren damiligen Dirigenten, Silvan Hof, verdanken wir dem Umstand, dass er just, als wir Probedirektionen abhielten, eine Stelle als Musiklehrer an der Bezirksschule Rheinfelden antrat. Wir luden ihn kurzerhand ebenfalls zum Probedirigieren ein und engagierten ihn vom Fleck weg. Kurz vor Silvan Hof hatte ausserdem Regula Frey ihr neues Amt als Präsidentin übernommen. Letztes Jahr schliesslich fand wieder ein Eidgenössisches statt, in Luzern, an dem die Stadtmusik erfolgreich teilnahm.
Das letzte Ereignis, wovon vor Redaktionsschluss noch berichtet werden kann, ist die Teilnahme am Jugendfest im Juni 2007. Was daran so speziell ist? Nun, zu diesem Anlass wurde das neue Sommerhemd der Stadtmusik eingeweiht. Es ist frisch, fröhlich und knallbunt und passt deswegen wunderbar zu unserem jungen, dynamischen Verein.
Ein Jahr im Leben der Stadtmusik – ein Blick hinter die Kulissen Eigentlich beginnt das Vereinsjahr wie das Kalenderjahr im Januar. Auch unser Jahresprogramm wird jeweils von Januar bis Dezember erstellt. Dennoch wird das Jahr von den Sommerferien viel stärker unterbrochen als von Neujahr, darum will ich jetzt ein typisches Stadtmusikjahr von August an beschreiben. Am ersten Dienstag nach den Sommerferien treffen wir uns zur ersten Probe. Meistens ist noch nicht so viel los. Wir bekommen die Noten für das Kirchenkonzert, welches im Dezember stattfindet, müssen alte Noten abgeben und uns wieder mit unseren Instrumenten vertraut machen, obwohl wir uns natürlich alle vorgenommen hatten, in den Ferien viel zu üben. Am Ende der Probe geht es immer ein bisschen länger, da unsere Präsidentin dann das Wort ergreift: Konzertwerbung von Nachbarvereinen, Ständchen die geplant werden müssen und allerlei Informationen, die sich über den Sommer angesammelt haben. Sonst geht das immer ganz schnell, damit man nachher noch gemeinsam in die Beiz gehen kann. Auch wird jedes Mal nach der Probe den Geburtstagskindern im Verein gratuliert. Noch bis vor einigen Jahren, gehörte es sich, dass das Geburtstagskind einen Marsch dirigierte, aber die wenigsten möchten das noch machen. Der erste Anlass ist meistens ein Ständchen. Die Stadtmusik bringt nämlich Jubilaren im Auftrag der Stadt Rheinfelden ein Ständchen. Anfang September folgen bereits die Usestuehlete in der Altstadt und der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag, den die Stadtmusik musikalisch umrahmt. Die Teilnahme am ökumenischen Gottesdienst erinnert auch an die Anfänge der Stadtmusik, die im 19. Jahrhundert jedes Jahr die Fronleichnamsprozession begleitete. Nach den Herbstferien beginnen mit Feuereifer die Proben für das Kirchenkonzert am 2. Advent, einem der zwei Höhepunkte im Vereinsjahr. Den Eifer beim Üben muss der Dirigent immer wieder einmal anheizen, auch eine Konstante, welche sich durch die Vereinsgeschichte zieht. Immer wieder finden sich in den Protokollen strenge Ermahnungen des Dirigenten, es müsse mehr geübt werden, man sei ja schliesslich nicht nur des Bieres wegen im Verein! Dies ist heutzutage keine Frage mehr, da die Proben in der Musikschule stattfinden. Bevor aber im Casino ein erstes Probelokal gefunden werden konnte, fanden die Proben in einer Beiz statt. Die Ermahnungen des Dirigenten müssen aber Wirkung gezeigt haben, hat doch ein Wirt den Verein einmal gebeten, sich ein anders Probelokal zu suchen, da nicht mehr genug konsumiert würde.
Desgleichen entbrannte in den 30er Jahren eine hitzige Diskussion, man möge das Rauchen während der Proben doch zumindest einschränken, man würde des Rauches wegen die Einsätze des Dirigenten nicht gut sehen. Heute haben wir keine Ausrede mehr, wenn wir die Einsätze verschlafen! Nach dem Kirchenkonzert beginnen wir noch vor dem neuen Jahr mit dem Einstudieren der Stücke für das Jahreskonzert Ende März. Die lange Probezeit wird im Januar vom Skitag unterbrochen, wo die Stadtmusikanten ihre sportliche Seite zeigen können. Ende Januar folgt die Generalversammlung. An der GV wird Rückschau gehalten über das vergangene Jahr, man beschliesst das Budget für das kommende, bespricht das Programm und mögliche Anliegen und nimmt neue Mitglieder auf. Eingeladen sind die Aktiv- und die Ehrenmitglieder. Der Geschäftsteil ist meistens schnell erledigt. Das anschliessende Nachtessen kann da schon länger dauern. In den letzten 15 Jahren hat sich die GV stark verändert. Was heute ein vereinsinterner Anlass ist, war früher ein offizieller Akt, zu dem Behörden, Presse und Passivmitglieder mit Angehörigen eingeladen wurden. Die Stadtmusik spielte am Anfang und am Ende auf, manchmal gab es gar Tanzmusik. Damit der Geschäftsteil nicht mehrere Stunden dauerte, wurde alles bereits in der Probe vorher besprochen, so musste an der GV nur noch abgestimmt werden. Kaum hat man sich von der Fastnacht einigermassen erholt, steht schon das Jahreskonzert vor der Tür. Wegen zurückgegangener Zuschauerzahlen musste vor einigen Jahren auf das zweite Konzert am Sonntag verzichtet werden. So spielen wir nun am Samstag doppelt so gut! An diesem Konzert verwöhnen wir unser Publikum gern mit Unterhaltungsmusik. Meistens präsentieren wir dann auch bereits das Selbstwahlstück, wenn wir im Juni an einem Musikfest oder einem Musiktag teilnehmen. Alle fünf Jahre findet ein Eidgenössisches Musikfest statt. Kantonale Musikfeste finden mit den Musiktagen in wechselnden Abständen statt. An den Musikfesten gibt es jeweils eine Jury und am Ende eine Rangliste. Die Musiktage hingegen werden von einzelnen Vereinen organisiert und man erhält von der Jury einen Bericht. Man meldet sich immer mit einem Selbstwahlstück an und erhält von den Organisatoren pro Stärkeklasse ein Aufgabenstück zugeteilt. Ausserdem ist die Teilnahme am Marschmusikwettbewerb Pflicht.
In den letzten Jahren hat die Stadtmusik im Paradewettbewerb immer mehr überzeugen können. Dies ist umso erfreulicher, als unser Ruf in dieser Hinsicht bisher nicht so war. Das Eidgenössische in Interlaken stellte den absoluten Tiefpunkt dar, verlor doch eine Stadtmusikantin beim Marschmusik-Wettbewerb einen Schuh… Konstant geblieben ist aber, dass es, wenn die Stadtmusik an der Reihe ist, entweder regnet oder aber so heiss ist, dass man am liebsten rennen würde, um dem heissen Asphalt zu entkommen. Das letzte Treffen vor den Sommerferien ist meistens das Jugend- oder Altstadtfest, wo die Stadtmusik immer gerne mitmacht und sich dem Heimpublikum zeigt. So sieht also ein typisches Jahr aus. Nächstes Jahr wird aber viel interessanter, es ist schliesslich unser Jubiläumsjahr. Da haben wir uns schon allerhand einfallen lassen.
Quelle: Festschrift «175 Jahre Stadtmusik Rheinfelden», Davina Benkert 2008
Fortsetzung folgt ...
Dirigent:innen (seit 1948)
seit 2020 | Dani Haus |
2016–2020 | Heinz Schoenenberger |
2016 | Roland Recher (Projektdirigent) |
2015–2016 | Susanne Rechsteiner |
2014–2015 | Jonathan Graf |
2013 | Valentin Sacher (Projektdirigent) |
2011–2013 | Roman Brogli |
2001–2011 | Silvan Hof |
1986–2001 | Roland Recher |
1984–1986 | Edgar Kamber |
1974–1984 | Nino Fantozzi |
1960–1974 | Fritz Gloor |
1948–1959 | Bernhard Köppel |
Ehrenmitglieder
- Dominik Baltzer
- Valentin Baltzer
- Davina Benkert
- Frank Brogli
- Andi Budmiger
- Roman Eng
- Hansjörg Gersbach
- Stefan Gisler
- Hans Gloor
- Sabine Henz
- Heinrich Herzog
- Hanspeter Kramer
- Andi Leubin
- Peter Nolze
- Chantal Peeters
- Roland Recher
- Marianne Rechsteiner
- Urs Rosenthaler
- Coralie Sacher
- Benjamin Steiger
- Joe Steiger
- Nicole Steiger
- Monika Zbinden
- Peter Zbinden
- Franz Zumsteg